Hacker, Häftling, Unternehmer

Vor sechs Jahren rutschte Adrian Janotta in die Internetkriminalität ab. Dafür büßte er im Gefängnis. Heute bietet der Unternehmer Firmen Schutz vor Hackerangriffen an.

Adrian Janotta ist ein Internetspezialist durch und durch. Das Netz und vor allem das Thema Internetsicherheit faszinieren und beschäftigen ihn seit vielen Jahren sehr intensiv. Zunächst arbeitete der gelernte IT-System-Kaufmann bei der Firma Deutschland Computer, wo er unterschiedliche Hardware-Komponenten für PCs zusammenbaute. Auch wenn der Franke sich in dem Job unterfordert fühlte, wie er heute berichtet, war es immerhin eine solide finanzielle Basis für den Lebensunterhalt. Doch dann kam der Tag, an dem Adrian Janotta die Seiten wechselte. Zunächst nicht bewusst. „Von dem Zeitpunkt, als meine Beziehung kaputtging, ging auch alles andere den Bach runter: Ich habe angefangen zu trinken, Haus und Hof verloren und bin in mein Auto gezogen. Dann habe ich begonnen, viele kleine Straftaten zu begehen“, erzählt Janotta. Nach einem Autounfall verlor er seinen Führerschein, fuhr aber trotzdem weiter. Sein Auto tankte er teilweise voll, ohne zu bezahlen. Und dann begann das Kapitel Computerkriminalität in seinem Leben.

Mit seinem Laptop beging er aus dem Auto heraus Kreditkartenbetrug, hackte Internetseiten, bot Raubkopien illegal zum Download an, klaute Daten von Kreditkarten und verkaufte sie. „Mein IT-Wissen habe ich kriminell eingesetzt, um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten.“ Durch eine UMTS-Karte, die auf einen anderen Namen registriert war, fühlte Janotta sich anonym.

Doch das war er nicht. Die Polizei kam ihm auf die Spur, durchsuchte sein Auto und beschlagnahmte sein Laptop. Ein Autounfall führte letztlich zu seiner Verhaftung – immerhin war er ohne Führerschein unterwegs gewesen und auch sonst kein unbeschriebenes Blatt mehr. „Ich kam in Untersuchungshaft und dann kam alles raus, weil natürlich Passwörter von mir in fraglichen Foren gespeichert waren, im Deepweb waren zweifelhafte Kontakte von mir auffindbar, und damit konnten die Ermittler mir meine kriminellen Taten nachweisen. Ich wurde zu fünf Jahren ohne Bewährung verurteilt.“ Da war er 28 Jahre alt.

Die Zeit im Gefängnis war für ihn extremer Bruch. Die ersten eineinhalb Jahre sei er regelrecht eingegangen, erzählt Janotta. Den ganzen Tag hatte er nichts zu tun, musste einfach seine Zeit absitzen. „Irgendwann hatte ich mich mit der Situation abgefunden und begann, nach außen ein Maskenleben zu führen. In mir drin sah es aber ganz anders aus. Ich fühlte mich schrecklich.“ Erträglicher wurde das Leben hinter Gittern, als Janotta nach 18 Monaten  einen Arbeitsplatz in der Wäscherei bekam. „Für mein Ego war das ein Segen. Ich konnte endlich etwas tun und gewann ein bisschen Selbstvertrauen zurück.“

Ein weiterer Lichtblick kam nach drei Jahren: Janotta entdeckte ein Plakat des Leonhard-Projekts, das Gefangenen hilft, sich selbstständig zu machen. Denn häufig haben es Ex-Häftlinge schwer, im Arbeitsleben wieder Fuß zu fassen. „Ich fand die Idee großartig und habe mich sofort hingesetzt und per Antragsschein eine Bewerbung geschrieben“, erzählt Janotta. Allerdings musste er noch ein Jahr warten, denn das Programm richtet sich an Häftlinge in ihrem Jahr vor der Entlassung. „Ich habe mich wahnsinnig gefreut, als ich die Zusage bekam. Vom ersten Tag an war ich begeistert von dem Programm.“ Mit einem Persönlichkeitstraining in dem Programm habe er ein neues Selbstwertgefühl entwickelt.

Von da ab hatte er jeden Tag von 8 bis 16 Uhr Unterricht und lernte alles, was für eine Unternehmensgründung und -führung wichtig ist, er machte „quasi ein Mini-BWL-Studium.“ Für die Umsetzung ihrer Geschäftsidee gaben die Organisatoren den Häftlingen mit auf den Weg: Nutze dein Wissen und gib der Gesellschaft etwas zurück. Für Janotta war klar, dass er sich im IT-Bereich selbstständig machen würde.

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Quelle: ZeitKarriere

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